Die Parodontose

„Der Mundraum, unendliche Weiten, wir schreiben das Jahr 2020, dies sind die Abenteuer der Praxis Mainz”

Mein Opa, seines Zeichens Zahnarzt in Berlin Ost (vor dem Mauerfall), erklärte mir zum Thema Parodontose folgendes:

„Junge, Parodontose ist wie Fingernägel schneiden”

Lassen Sie mich kurz erklären, wie mein Opa das gemeint hat!

Der Mundraum ist das Tor zum Verdauungstrakt. Die Verdauung beginnt also im Mund. Im Mund befindet sich eine bunte Sammlung von allen möglichen Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten. Nichts ist so unsteril wie der Mundraum.

Aber dieses Biotop ist ausbalanciert. Wenn Sie so wollen, besteht ein Friedensabkommen zwischen allen Beteiligten.

Jetzt hat unser Organismus, der sich ja in den letzen Millionen Jahren als durchaus widerstands- und anpassungsfähig gezeigt hat, allerdings auch ein paar, nennen wir es mal Systemfehler.

Zu diesen Systemfehlern gehört die Überlastung durch Stress. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass wir Menschen heute wesentlich länger leben als noch vor 300 Jahren. Unser Körper hat sich hingegen in den letzten 300 Jahren nicht wirklich nennenswert verbessert. Das wird zwar noch kommen, aber das dauert!

Was passiert nun bei Stress?

Nun, zum Einen neigen wir Menschen dazu, unter Stress, die Zähne aufeinander zu pressen und die Kiefer dabei auch noch minimal hin- und herzubewegen. Dabei bewegen wir unsere Zähne, die sich dann natürlich auch etwas hin- und herbewegen.

Zum Anderen führt Stress zu einer Schwächung des Immunsystems. Rauchen übrigens auch!

Was hat das nun mit dem Zahnfleisch zu tun?

Das Zahnfleisch hat vor allem eine Abdichtungs-Funktion. Es schützt das Körper-Innere vor den vielen Bakterien, die sich im Mund befinden. Es ist im Großen und Ganzen eine Dichtungsmanschette um den Zahn herum!

Diese Dichtungsmanschette leiert nun etwas aus, wenn der Zahn immer bewegt wird. Sie liegt nicht mehr so straff und eng an dem Zahnhals an. Dadurch können Bakterien sich zwischen Zahn und Zahnfleisch schummeln, wo sie sich dem Einfluss der anderen Pilze, Parasiten etc. entziehen. Sie unterwandern also das besagte Friedensabkommen, indem sich sich unters Zahnfleisch verkrümeln.

„Besuch und Fisch fangen meist nach 1 Woche an zu stinken!“

Jetzt passiert Folgendes:

Das Zahnfleisch reagiert auf diese ungebetenen Gäste mit einer Entzündung. Entzündung heisst, das Gewebe schwillt an. Das liegt im Großen und Ganzen an der starken Durchblutung des Gewebes. Da das Zahnfleisch anschwillt, wird die Dichtungsmanschette noch undichter und noch mehr Bakterien gesellen sich dazu.

Ein durch Stress oder Rauchen geschwächtes Immunsystem kann das nicht verhindern!

Stellen Sie sich vor, Sie schmeissen eine Party, die etwas ausufert. Um Ihr Einrichtung zu schützen, machen Sie um 22:00 die Türen zu und lassen die draussen wartenden Gäste nicht mehr hinein. Als dann aber die Gäste drinnen zu viel rauchen müssen Sie die Türen und Fenster aufmachen. Was wir passieren? Genau die Gäste draußen kommen auch noch hinein!

Man kommt so in einen Teufelskreislauf, die Parodontose!

Die Therapie der Parodonotse besteht im Wesentlichen in einem „Durchlüften“, da die Bakterien, die hier die Schwierigkeiten machen, keinen Sauerstoff mögen!

Zahnmedizinisch heisst das, die Plaque, in der die Bakterien sitzen, wird vorsichtig zerstört und es kann Sauerstoff an die Stellen gelangen!

Eben ein Durchlüften!

Warum bezeichnete mein Opa das aber nun als Fingernägelschneiden?

Nun, da wir Menschen immer Stress haben und deswegen auch immer auf die Zähne beissen, und weil wir auch immer Bakterien im Mund haben, die unter das ausgeleierte Zahnfleisch huschen können, wird es im Abstand von ca. 3 Monaten immer wieder zu einer dieser Parties kommen, die dann durch ein Durchlüften gecrasht werden müssen.

Das ist der angesprochene Systemfehler!

Also, alle 3 Monate müssen die Beläge (Plaque) und die darin befindlichen Bakterien vertrieben werden, damit der Körper keinen mittelfristigen Schaden nimmt, denn der Knochen in dem die Zähne stehen, baut sich nach einiger Zeit aufgrund der Entzündung ab!

Das wiederum führt zu einer größeren Beweglichkeit der Zähne und der Teufelskreislauf verstärkt sich solange bis der Zahnverlust droht!

Eine Optimale Versorgung von Patienten mit einer Parodontose ( immerhin über 50 % der Ü40-Bevölkerung) besteht in einer gründlichen Reinigung unterm Zahnfleisch (Subgingivale PAR-Therapie) unter Zuhilfenahme eines Dioden-Softlasers.

Dann wird nach 3 Monaten eine Professionelle Zahnreinigung gemacht. Dabei wird nur der Zahnfleischrand von einer dafür qualifizierten Helferin gesäubert und die Bakterien werden auf Ihrem Weg unters Zahnfleisch aufgehalten. Hierbei werden die Bereiche unter dem Zahnfleisch ebenfalls getestet. Sind wieder Bakterien im unteren Bereich, muss 3 Monate später wieder die gründliche Reinigung durch den Arzt (Subgingivale PAR-Therapie) gemacht werden.

Und so geht es in einem Abstand von 3 Monaten immer weiter, da wir im Mund leider ein unerschöpfliches Reservoir an Bakterien haben.

Und deswegen ist eine Parodontose-Behandlung wie Fingernägelschneiden!

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